Ich wusste nicht, dass andere dies anders empfanden als ich. Ich ging davon aus, normal zu sehen, da ich Details sehr gut erkennen konnte und bei augenärztlichen Untersuchungen nie Auffälligkeiten festgestellt wurden. Erst während meiner Ausbildung zur Ergotherapeutin traf ich auf eine Mitschülerin, die mit farbigen Folien experimentierte. Dadurch wurde mir bewusst, dass meine Sehwahrnehmung von der vieler anderer abwich.
Zum ersten Mal in meinem Leben hatte sich jemand mit mir darüber unterhalten, wie die „Allgemeinheit“ Gesehenes wahrnimmt und wie ich Gesehenes wahrnehme. In mir lief mein bisheriges Leben wie ein Film ab, und mir wurde klar, wie viel Anstrengung mir möglicherweise erspart geblieben wäre, wenn ich dies früher gewusst hätte. Ich ließ mich daraufhin testen.
Meine erste Brille eröffnete mir auf einmal viele Möglichkeiten, die zuvor nur mit großer Anstrengung möglich gewesen waren. Erst dadurch wurde mir bewusst, dass ich durch Licht Kopfschmerzen bekam, schnell überanstrengt war, Abstände nicht immer richtig einschätzen konnte und vieles mehr. Seitdem trage ich regelmäßig eine Irlen-Filterbrille.